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Exkursion zur Firma ITK am 27. 06. 2017

Auf Initiative des Freundeskreises Mechatronik und Fahrzeugtechnologie fand am 27. 06. 2017 eine Exkursion zur ITK Engineering GmbH statt. Die 1994 gegründete Firma ist ein Entwicklungsdienstleister mit Kunden aus den Branchen Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrt, Agrar- und Medizintechnik. Sie liefert Beratung und Entwicklungsunterstützung mit Systemlösungen in den Bereichen Softwareentwicklung, Embedded Systems, Konstruktion, Bauteileauswahl, Regelungstechnik und Signalverarbeitung. Das Unternehmen hat zahlreiche Niederlassungen in Deutschland, Spanien, Österreich, USA und Japan und beschäftigt weltweit mehr als 1000 Mitarbeiter, davon 400 am Hauptsitz in Rülzheim (Pfalz), den eine Gruppe von Studierenden der HsKA besichtigen durfte.

 

Nach der Begrüßung durch Herrn Rüdiger Hauser gab Teamleiter und Entwickler Timo Schuff einen Einblick in die Firmengeschichte und –vision von ITK, unter dem Motto "Wir begeistern!" und der Devise, dass Lösungen "nicht billig, aber günstig" sein sollen. Danach wurden uns verschiedene Arbeitsbereiche an anschaulichen Beispielen vorgestellt. Besonderen Eindruck machte dabei der Überblick über die technologische Breite von ITK.

 

Hauptgeschäft am Standort Rülzheim ist mit 50% Anteil an den bearbeiteten Projekten die Lösung von Aufgaben im „Automotive“-Bereich. Neben Fahrerassistenzsystemen z.B. in LKWs, Bordnetzmanagement und Batterieladesystemen spielt in zunehmendem Maße die Sicherheit der Elektronik unter dem Schlagwort EMV (elektromagnetische Verträglichkeit) eine Rolle. Die Expertise von ITK konnte darüber hinaus auch im Motor-Rennsport eingesetzt werden, mit Beteiligungen beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, beim studentischen Wettbewerb „Formula E“ und bei Bergrennen, z.B. in der Schweiz.

 

Das Thema Sicherheit wurde noch weiter vertieft, u.a. auf den Unterschied zwischen „Security“ (Schutzsysteme) und „Safety“ (für Leib und Leben) hingewiesen. So muss bei modernen PKW vermieden werden, dass die Bordelektronik „gehackt“ und fremdgesteuert wird. Auch Drohnen, die evtl. in der Zukunft zur Paketzustellung verwendet werden, dürfen nicht durch externe elektronische Angriffe „abgeschossen“ werden können.

 

ITK ist auch beteiligt am Projekt AUTOSAR (AUTomotive Open System ARchitecture), einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft für eine standardisierte Softwarearchitektur in der Automobilindustrie. Als Projektbeispiel wurde uns eine autonome Erntemaschine in der Landwirtschaft vorgestellt. Dabei sollen Traktoren mit GPS ausgerüstet werden, um je nach Umgebung z.B. Düngemittel in der Nähe von Bächen kontrolliert sparsamer einzusetzen.

 

In der Medizintechnik wurden uns Arbeitsplätze von Entwicklern gezeigt, die einen „virtuellen Operationssaal“ mit einem komplett modellierten Patienten designen. Weitere Projekte in diesem zukunftsträchtigen Bereich sind z.B. Regelungen für einen Zahnarztstuhl über CAN-Bus, Zahnbohrer oder die Sterilität bei der maschinellen Reinigung von Endoskopen.

 

Informationen über Kooperationsmöglichkeiten während des Studiums (z.B. im Praxissemester oder bei Abschlussarbeiten) rundeten das Besuchsprogramm ab. ITK ist sehr interessiert an neuen Themen aus den Hochschulen. Bei der Einstellung nach erfolgreichem Studium wird auf die Integration in ein starkes Team mit dem Ziel einer langfristigen Beschäftigung geachtet. Ein Team besteht typischerweise aus verschiedenen Akademikern: Ingenieure, Informatiker, Physiker. Besonders gefragt sind „Schnittstellenleute“ mit Kenntnissen in verschiedenen Bereichen, die den Anspruch von ITK, eine „Lösung aus einer Hand“ zu bieten, erleichtern. Betont wurde hier, dass man keine Angst vor Software haben sollte.

Zum Abschluss der Werksbesichtigung wurde uns noch ein besonderes Highlight geboten: Wir durften in kleinen Gruppen in das Führerhaus eines LKW einsteigen. Der Fahrer erklärte die technischen Voraussetzungen für das „autonome Fahren“ und lenkte uns gleich zur vierspurigen B9 Richtung Karlsruhe. Während dieser „Autobahnfahrt“ wurde das System eingeschaltet und uns eindrücklich demonstriert, wie das Gefährt mit kleinen Lenkbewegungen die Spur hält. Zusätzlich wurde der Abstand zu einem vorausfahrenden LKW geregelt. Eine ähnliche Demonstrationsfahrt mit einem Autopiloten im öffentlichen Straßenverkehr wurde - mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Führerhaus – erstmalig im Oktober 2015 auf der A8 zwischen Stuttgart und Ulm durchgeführt. ITK ist dabei, das System zur Marktreife weiter zu entwickeln. Weitere Tests auf dafür extra freigegebenen Autobahnabschnitten sind geplant.

Die Studierenden der HsKA konnten bei dieser Exkursion einen umfassenden Einblick in die Tätigkeitsfelder und das Betriebsklima bei ITK gewinnen. Wir danken allen Verantwortlichen für die sehr unkomplizierte Organisation und die offene Diskussion über hochaktuelle technische Themen.

 

(Bilderquelle: Christof Krülle)